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Logo des Projekts Wissen- oder ElternschaftKinderlosigkeit und Beschäftigungsbedingungen
des wissenschafltichen Personals an Hochschulen in Deutschland

Ziele

Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Zusammenhänge zwischen den konkreten Beschäftigungsbedingungen und Elternschaft von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen an Universitäten und Fachhochschulen in acht ausgewählten Bundesländern zu untersuchen.

Dabei geht es darum, möglichst präzise Informationen zur Anzahl und zum Alter der Kinder in Abhängigkeit von beschäftigungsrelevanten Faktoren wie Dauer (befristet und unbefristet) und Umfang (Vollzeit und Teilzeit) der Beschäftigungsverhältnisse für die Statusgruppe der Professor/inn/en und der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen zu ermitteln.

Im zweiten Schritt geht es um eine Analyse der ermittelten Daten und darum, signifikante Einflussfaktoren und Prädiktoren für die Elternschaft des wissenschaftlichen Personals an Hochschulen in Deutschland herauszufinden.

Auf dieser Grundlage sollen differenzierte Empfehlungen an die Hochschulen und Wissenschaftspolitik formuliert werden, um die bisher unzureichende Erfassung von Daten zu den Kindern des wissenschaftlichen Personals auf Bundes- und Landesebene zu verbessern und auf eine eltern- bzw. kinderfreundliche Hochschulentwicklung hinzuwirken.

Datengrundlage

Die amtliche Statistik (Mikrozensus, Bevölkerungsstatistik) und andere Datenermittlungsverfahren (Sozio-Ökonomisches Panel und Surveys) haben jeweils ihre Vor- und Nachteile, wenn es um die exakte Erfassung der Kinder des Hochschulpersonals geht. Zum Beispiel ist der Mikrozensus auf die Mütter und die im Haushalt lebenden Kinder zentriert. Die Auswertung der Landesdaten zu den Eltern im wissenschaftlichen Personal der Universitäten in Nordrhein-Westfalen belegt dagegen die Notwendigkeit, die Daten zu den konkreten Beschäftigungsbedingungen für Mütter und Väter nach Statusgruppen und im längeren Zeitabstand zu erheben (vgl. Metz-Göckel/Möller/Auferkorte-Michaelis 2008).

Beim Statistischen Bundesamt und den statistischen Landesämtern liegen präzise Daten zu den Beschäftigungsbedingungen für die Gehaltsgruppen des wissenschaftlichen Personals vor, nicht aber die Angaben zu ihren Kindern. Diese Daten werden getrennt in den Landesämtern für Besoldung und Versorgung bzw. den landesspezifischen Institutionen wie Bezügestellen, Familienkassen u.a.m. geführt. Für die Forschungsfrage sind diese Daten zusammenzuführen und aufzubereiten. Sie bilden die Grundlage für die weitere sekundäranalytische Auswertung nach den relevanten Einflussvariablen für Elternschaft bzw. Kinderlosigkeit des wissenschaftlichen Personals.
Analysiert werden die Personalstandsdaten von acht ausgewählten Bundesländern, die mit den Daten zu den Beschäftigungsbedingungen auf Bundesebene in Beziehung gesetzt werden. Hierzu werden die Daten des Statistischen Bundesamtes und die verfügbaren Daten für alle Bundesländer herangezogen. Diese Form der Datenauswertung erfordert:

  • im Vorfeld die Zusammenführung unterschiedlicher Datenquellen und ihre Aufbereitung,
  • die deskriptive Darstellung der für die Fragestellungen relevanten Einflussfaktoren
  • und die statistische Berechnung der Zusammenhänge zwischen Beschäftigungsbedingungen und Kinderlosigkeit bzw. Elternschaft.

Fragestellungen und Forschungshypothesen

Die Ermittlung von Zusammenhängen zwischen universitären Beschäftigungsbedingungen und der Entscheidung für oder gegen Kinder schließt an Ergebnisse der Untersuchung zum wissenschaftlichen Personal der Universitäten in Nordrhein-Westfalen an, die einen sehr hohen Anteil an Kinderlosen ermittelt hat (vgl. Metz-Göckel/Möller/Auferkorte-Michaelis 2008; Auferkorte-Michaelis/Metz-Göckel/Wergen/Klein 2005). Befunden dieser Untersuchung zufolge sind die Väter unter den Wissenschaftlern (im untersuchten Zeitraum zwischen 1994 und 2004) weniger, die Mütter unter den Wissenschaftlerinnen dagegen mehr geworden und dies bei einem insgesamt steigenden Frauenanteil am wissenschaftlichen Personal. Zugleich haben sich im Untersuchungszeitraum die Beschäftigungsbedingungen für das wissenschaftliche Personal in Nordrhein-Westfalen durch eine Zunahme von Teilzeit- und befristeten Beschäftigungsverhältnissen sowie aufgrund einer Reduktion der C1-, C3- und C4-Stellen verschlechtert.

Von diesen Befunden ausgehend wird in dem Forschungsprojekt „Wissen- oder Elternschaft?“ die empirische Datenbasis auf das wissenschaftliche Personal insgesamt (wissenschaftliche Mitarbeiter/innen und Professuren) und auf die Universitäten und Fachhochschulen ausgeweitet. Die Zusammenhänge zwischen Beschäftigungsbedingungen und Elternschaft bzw. Kinderlosigkeit des wissenschaftlichen Personals werden für sieben ausgewählte Bundesländer ermittelt, statistisch aufbereitet und detailliert untersucht.
Geprüft werden soll unter anderem, inwieweit die Ergebnisse für Nordrhein-Westfalen verallgemeinerbar sind, und ob es zu einem „Angleichungs- bzw. Normalisierungsprozess“ zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Karriereverlauf kommt.

Die zentrale Forschungsfrage ist, welchen Einfluss „Zukunftsunsicherheit“ und „prekäre Beschäftigungsverhältnisse“ auf Entscheidungen für Elternschaft bzw. Kinderlosigkeit haben, differenziert nach Statusgruppen, Geschlecht, Alter und Beschäftigungsbedingungen.

Aufschluss über die institutionellen Rahmenbedingungen soll ein dreifacher Vergleich geben

  • der Vergleich zwischen den privilegierten professoralen und den unsicheren Beschäftigungsverhältnissen im heterogenen wissenschaftlichen Mittelbau,
  • der Vergleich zwischen Universitäten und Fachhochschulen und
  • der Vergleich mehrerer Bundesländer.

Aus der Geschlechterperspektive ist dabei besonders relevant, inwiefern lebensweltliche Ansprüche von Frauen und Männern bzw. Eltern sich mit der wissenschaftlichen Lebensform vereinbaren lassen. In diesem Kontext erwarten wir für die Statusgruppe der Professor/inn/en und der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen nach Geschlecht unterschiedliche Entwicklungen:

  • einen Rückgang der Kinderlosigkeit bei den Professorinnen, der zwischen der älteren und jüngeren Generation jedoch unterschiedlich sein dürfte, und eine Zunahme der Kinderlosigkeit bei den Professoren;
  • einen Anstieg der Zahl der Professorinnen mit Kindern (differenziert nach Universitäten und Fachhochschulen) und ein Hinausschieben von „Familiengründungen“ bei beiden Geschlechtern.
  • Entlang der sehr heterogenen Beschäftigungsbedingungen im wissenschaftlichen Mittelbau erwarten wir eine Zunahme der Kinderlosigkeit bei männlichen Wissenschaftlern, dagegen eine Zunahme der Mütter bei Wissenschaftlerinnen.

Literaturhinweise

Auferkorte-Michaelis, Nicole / Metz-Göckel, Sigrid / Wergen, Jutta / Klein, Annette (2005): Junge Elternschaft und Wissenschaftskarriere. Wie kinderfreundlich sind Wissenschaft und Universitäten? In: Zeitschrift für Frauenforschung und Geschlechterstudien, 23. Jg., H.4, S. 14-23.
Download des Artikels (pdf, 370 kb)

Konietzka, Dirk / Kreyenfeld, Michaela (Hg.) (2007): Ein Leben ohne Kinder. Kinderlosigkeit in Deutschland. Wiesbaden: VS, Verlag für Sozialwissenschaften.

Metz-Göckel, Sigrid / Möller, Christina / Auferkorte-Michaelis, Nicole (2009):Wissenschaft als Lebensform – Eltern unerwünscht? Kinderlosigkeit und Beschäftigungsverhältnisse des wissenschaftlichen Personals aller nordrhein-westfälischen Universitäten. Opladen: Verlag Barbara Budrich (erschienen im November 2008).
Weitere Informationen zur Veröffentlichung...

Metz-Göckel, Sigrid / Möller, Christina (2007): Kinder und Kinderlosigkeit im wissenschaftlichen Karriereverlauf. Antrag an das BMBF im Programm „Frauen an die Spitze“, Dortmund 2007.

Schmitt, Christian / Winkelmann, Ulrike (2005): Wer bleibt kinderlos? Sozialstrukturelle Daten zur Kinderlosigkeit von Frauen und Männern. Berlin: Deutsches Insitut für Wirtschaftsforschung.

Schmitt, Christian / Winkelmann, Ulrike (2005): Wer bleibt kinderlos? Was sozialstrukturelle Daten über Kinderlosigkeit bei Frauen und Männern verraten. In: Feministische Studien 1/2005, S. 9-23.

Wirth, Heike / Dümmler, Kerstin (2005): Der Einfluss der Qualifikation auf die Kinderlosigkeit von Frauen zwischen 1970 und 2001 in Westdeutschland: Analysen mit dem deutschen Mikrozensus. In: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft: Demographie, 30. Jg (2005), H. 2/3, S. 313-336.



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