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ProfiLe: Abschlussworkshop

Profile LogoQualitätssteuerung und hochschuldidaktische Kompetenzentwicklung

Das durch das BMBF in der Förderlinie "Zukunftswerkstatt der Hochschullehre" geförderte Projekt ProfiLe hat Expertinnen und Experten im Feld der Hochschuldidaktik und Hochschulforschung - diesmal zum Abschluss des Projekts "ProfiLe" - an die Technische Universität Dortmund Anfang Dezember 2011 eingeladen - wegen begrenzter Ressourcen leider eingeschränkt.

Das Forschungsprojekt hat Ergebnisse und Ausblicke präsentiert und mehr als 30 Personen konnten der Einladung folgen. Die Veranstalter der ProfiLe - Teilprojekte der TU Dortmund, Universität Hamburg und Universität Freiburg verbanden mit diesem Workshop vor allem drei Ziele:

  • die Ergebnisse des Projektes ProfiLe vorzustellen, über Ziele und Kooperationen hochschuldidaktischer Hochschulforschung insbesondere auf dem Gebiet der Lehrkompetenzentwicklung zu diskutieren,
  • einen neuen Blick auf die Komponenten der Entwicklung der Lehrkompetenz und verschiedene Wege der hochschuldidaktischen Professionalisierung zu werfen sowie auf die Qualitätsentwicklung von Lehrkompetenz in der Verknüpfung von informeller, selbstsorgender Kompetenzentwicklung und hochschuldidaktischer Weiterbildung,
  • Entwicklerinnen und Entwickler hochschuldidaktischer Einrichtungen einzuladen, ausgewählte Weiterbildungskonzepte vorzustellen und sich in Werkstatt-Gesprächen aus der Perspektive forschungsbasierter Evidenzen des Projekts ProfiLe auszutauschen und zu beraten.

Die Veranstaltung bot eine weitere Gelegenheit, die Untersuchungsergebnisse auf die hochschuldidaktische Weiterbildung und insbesondere die Integration verschiedener Wege der Kompetenzentwicklung zu reflektieren. Dieser Diskussionsprozess soll auf der Dortmund Spring School DOSS in der ersten März-Woche 2012 an der TU-Dortmund in verschiedenen Diskurswerkstätten fortgeführt und vertieft werden: zu "Learning Outcomes" hochschuldidaktischer Weiterbildung, zu Kriterien der Portfolioarbeit als "Roter Faden" der Selbstreflexion in der Lehrkompetenzentwicklung und zur Entwicklung des kritischen Urteils in didaktischen Handlungssituationen. In einer zeitnah erscheinenden Publikation werden auch einer breiteren Öffentlichkeit die Untersuchungsergebnisse zugängig sein.

Untersuchungsgegenstand und Projektziele

Das Projekt hat Bedingungen, Strategien und Probleme der Professionalisierung in der Lehre bei Lehrenden an Universitäten untersucht. Ziel war ein Beitrag zur wissenschaftlichen Fundierung der Entwicklung von Lehr-kompetenz in Weiterbildungs- und Selbst- gesteuerten Lernprozessen – und im Anschluss daran angemessene Verfahren der Qualitätsentwicklung vor allem im Verbund mit hochschuldidaktischer Weiterbildung.

Die Untersuchung leiteten vor allem die folgenden Fragestellungen:

Wie gestaltet sich die Professionalisierung hochschuldidaktischer Kompetenz unter gegebenen personalen, institutionellen und strukturellen Bedingungen? Welche Kompetenzkonzepte und Entwicklungsstrategien lassen sich beobachten und unterscheiden? Wie verlaufen Prozesse der Professionalisierung in der Lehre in formeller hochschuldidaktischer Weiterbildung und in informeller Kompetenzentwicklung? Welche Konsequenzen ergeben sich für empirisch und theoretisch ausgewiesene Konzepte der Professionalisierung von Lehrkompetenz oder hochschuldidaktischer Kompetenz?

Vorgehen des Projektes

Im Projekt wurden auf der Basis eines theoriegeleiteten Rahmenmodells, unterfüttert durch Methodentriangulation von Konzeptstudien, Studien in der hochschuldidaktischen Weiterbildung und Lehrpreisanalysen, in methodischer Diversifikation parallel drei Untersuchungen durchgeführt:

  • eine tiefenorientierte Materialstudie über Lehrkompetenz an biografischen Interview
  • eine Längsschnittuntersuchung über Lehrkonzepte und Lehrhandeln in einem Master-studiengang der Hochschuldidaktik und
  • eine vertikal ausgerichtete Untersuchung der Urteilsvermögen an dilemmatischen Szena-rien in der universitären Lehre.
Ausgewählte Ergebnisse des Projekts

Projektpartner Hochschuldidaktisches Zentrum der Technischen Universität Dortmund

Prof. Dr. Dr. h. c. Johannes Wildt, Matthias Heiner, Mia Wolf-Adolph

Die Auswertung von Kompetenzbiografien und Selbstbeobachtungen aus den Interviews von Lehrenden im Projekt ProfiLe legen die Notwendigkeit des Abschieds von vorgängigen Struktur- und Entwicklungskonzepten der Kompetenzmodellierung nahe: von prädiktiv bildungstheoretischen oder didaktischen zugunsten hybrider Lehrkonzepte und Verhaltenskonstruktionen, von linear sich entwickelnden zugunsten mäandrierender, von progressiven zugunsten rhizomatisch differentiell strukturierten und monofokalen zugunsten multifokalen Lehrkompetenz-Biografie-Modellen. 

Hochschullehrende sind kompetent in der Lehre, eine Folge sozialkultureller Zurechnung von Lehrkompetenz, professioneller Zuständigkeit und hochgradiger Motivation insbesondere zu Beginn der Lehrtätigkeit. Sie bauen Kompetenz vor allem in fachlicher Perspektive aus. Didaktische Kompetenz, Kompetenz in der Lehre entwickelt sich jedoch höchst unterschiedlich – und weniger ausgestaltet.

Die institutionalisierte Hochschuldidaktik in Deutschland hat in den letzten Jahren parallel und begleitend zur Bologna-Reform ihr Programm der Weiterbildung entwickelt, teilnehmende Hochschullehrende entwickeln Kompetenz in diesem Kontext. Die Untersuchungen zeigen zwar auch eine ausgeprägte und damit beachtliche Kompetenzentwicklung von Lehrenden in selbst verantworteter Reflexion, aber auch markante Unterstrukturierung in verschiedenen Hinsichten kompetenzorientierter Reflexion, Flexibilisierung und Innovation von Lehrkonzepten sowie der Diversifikation des Lehrhandelns. Aber auch ein Gelingen hochschuldidaktischer Weiterbildung im angezeigten Sinn ist nicht selbstverständlich und insbesondere die Verschränkung informeller und weiterbildungsgesteuerter Kompetenzentwicklung bleibt weiter ein Problem. Es macht deshalb Sinn, Lehrkompetenzentwicklung sowohl individuell als auch durch Weiterbildung zu strukturieren, individuelle Kompetenzbiografien und übliche Berufskarrieren in einem Tuning-Prozess von informeller und formeller Kompetenzentwicklung zu vermitteln.

Parallel zur zweiten Welle der Bologna-Reform bedarf es eines "Tuning-Prozesses", der die Kontextsteuerung für die Professionalisierung der Lehrkompetenz aktualisiert und die diversifizierten Strategien ihrer Entwicklung mit den Zielen der veränderten Universität verbindet. Exemplarisch wird dies an der kompetenzorientierten Evaluation von Weiterbildungsveranstaltungen, an exemplarischen "Learning Outcomes" von Weiterbildungsveranstaltungen, an Lehrportfolios und Hinweisen für die Weiterbildung in die hochschuldidaktische Community hinein kommuniziert.

Projektpartner Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung der Universität Hamburg

Dr. Marianne Merkt, Caroline Trautwein

Bisher existierte kein theoretisch und empirisch fundiertes Modell akademischer Lehrkompetenz, das sowohl für die Anwendung in der Praxis als auch zur Erklärung fundamentaler Wirk- und Entwicklungsprozesse akademischer Lehrkompetenz geeignet schien. Deshalb wurde im BMBF-Projekt ProfiLe Hamburg untersucht, wie sich akademische Lehrkompetenz im Rahmen eines hochschuldidaktischen Weiterbildungsstudiums entwickelt. Davon ausgehend wurde in einem theoretisch und empirisch fundierten Modell Struktur und Entwicklung akademischer Lehrkompetenz beschrieben. Im Strukturmodell werden zwei Phasen unterschieden, das Handeln in der Lehrsituation und die Vor- und Nachbereitung. Für die erste Phase kann die Struktur bestehend aus den drei Ebenen 

Lehr-Lern-Philosophie, pädagogische Handlungsstrategien und Wissen über den Lehrkontext beschrieben werden. Für die Phase der Vor- und Nachbereitung kommen die Komponenten metakognitive Strategien und formales Lehr‐Lernwissen hinzu, die Voraussetzungen einer theoretisch fundierten Reflexion sind. Zur Modellierung der Entwicklung wurden in der qualitativen Studie typische Abläufe in der Entwicklung akademischer Lehrkompetenz nachgezeichnet, in denen Veränderungsanlässe und Arten der Veränderung beschrieben und in Zusammenhang gebracht wurden. Auf Basis dieser Ergebnisse können der Professionalisierungsgrad akademisch Lehrender eingeschätzt und wichtige Hinweise für die Gestaltung hochschuldidaktischer Weiterbildungsprogramme gewonnen werden. Danach sollte in allen Phasen der Weiterbildung den Lehr-Lern-Überzeugungen eine besondere Beachtung gelten, da sie das Lehrhandeln und den nachhaltigen Weiterbildungserfolg entscheidend beeinflussen.

Projektpartner Institut für Erziehungswissenschaft, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Prof. Dr. Matthias Nückles, Elisabeth Wegner

Lehren ist in zentralen Aspekten mit widersprüchlichen Anforderungen verbunden. Lehrende müssen z.B. zur Förderung des selbstregulierten Lernens Spielräume einräumen, aber diese gleichzeitig einschränken, um den Lernenden eine Struktur zu geben. Daher ist es ein wichtiger Aspekt in der professionellen Entwicklung von Hochschullehrenden, verschiedene Ziele gegeneinander abzuwägen und anhand von Kriterien ihre Entscheidung zu begründen. Das Freiburger Teilprojekt des BMBF-Projekts ProfiLe untersucht, wie sich die Kompetenz zu solchen reflektierten didaktischen Entscheidungen entwickelt. Insgesamt 36 Hochschullehrende wurden in einem strukturierten Interview mit dilemmatischen Szenarios konfrontiert und um eine Entscheidung gebeten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich Weiterbildung dahingehend auswirkt, dass Lehrende sich stärker der Komplexität und der widersprüchlichen Aspekte des Lehrens bewusst werden. Erfahrung zeigte keinen Einfluss auf den Umgang mit Dilemmata in der Lehre. 

Auf Basis der Ergebnisse wurde in Absprache mit der lokalen Arbeitsstelle für Hochschuldidaktik ein Konzept für eine Weiterbildungsveranstaltung entwickelt, die zum Ziel hat, jungen Hochschullehrenden ein differenziertes Verständnis in Bezug auf dilemmatische Anforderungen im Bereich der Förderung von selbstregulierten Lernen zu vermitteln.



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