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Was bedeutet "Barrierefrei"?

Der Begriff "barrierefrei" stammt aus der Architektur. DoBuS führte ihn 1993 als Metapher für Benutzungsschnittstellen von Software ein und prägte dafür den eingängigen Begriff "barrierefreie Benutzungsschnittstelle", der sich heute im deutschen Sprachraum allgemein durchgesetzt hat (s. Klein, Ralph: Barrierefreie Gestaltung von Benutzungsoberflächen, in: Display 9(1994)2, S. 93-110). Im englischen Sprachraum wird häufig von "accessibility", also von "Zugänglichkeit" gesprochen. Das "Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen" vom Juli 2002 enthält in Paragraf 4 eine "Definition von Barrierefreiheit" und schreibt sie in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens vor. Damit wird deutlich, dass Barrierefreiheit in erster Linie eine soziale Dimension bezeichnet. Der Begriff umschreibt das Verhältnis zwischen Behinderten und Nichtbehinderten und in welchem Maße Behinderten die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich ist.

Bezogen auf das World Wide Web (WWW) bedeutet Barrierefreiheit, dass weder durch Hard- noch durch Software noch durch die Gestaltung von Inhalten Barrieren zwischen den angebotenen Informationen und ihren Nutzern und Nutzerinnen errichtet werden. Das wäre zum Beispiel der Fall

  • bei ausschließlich mit der Maus benutzbaren Web-Seiten,
  • bei ausschließlich an visuell-räumlichen Vorstellungen orientierten Benutzungsschnittstellen oder
  • bei fehlenden Orientierungs- oder Navigationshilfen.
Hard- und Software können ebenso wie Gestaltungselemente zu einer Barriere werden, wenn die spezifischen Belange potentieller Nutzerinnen nicht berücksichtigt werden. Für einen gehörlosen Menschen oder für jemanden, der lediglich einen Arm gebrauchen kann, werden andere Elemente zu Barrieren als für sehgeschädigte Personen oder für Menschen, die die deutsche Sprache nicht beherrschen, oder die kognitiv beeinträchtigt sind. Barrierefrei bedeutet, dass keiner potentiellen Nutzerin eine Zugangsbarriere zum entsprechenden Angebot oder Medium in den Weg gestellt wird. Wenn blinde und sehbehinderte Nutzerinnen mit einem Informationsangebot arbeiten können, in ihrer Mobilität eingeschränkte Nutzerinnen hingegen nicht, ist dieses Informationsangebot nicht barrierefrei.

Barrierefreiheit ist eine relative Eigenschaft und keine analytische Kategorie, mit der Benutzungsschnittstellen, Dienstleistungen, Informationsangebote oder Medien eindeutig in nichtbarrierefrei und barrierefrei eingeteilt werden könnten. Es ist ein deskriptiver Begriff, der ein Spektrum und ein Ziel beschreibt: Ziel ist es, sich bei Entwicklung und Gestaltung von Benutzungsschnittstellen, Dienstleistungen, Informationsangeboten und Medien so weit wie möglich dem barrierefreien Ende des Spektrums zu nähern. Man könnte Barrierefreiheit mit der so genannten Richter-Skala vergleichen, mit der die Stärke von Erdbeben gemessen wird und die nach oben offen ist.

Barrierefreiheit bedeutet nicht, auf bestimmte Elemente oder Eigenschaften von Medien zu verzichten, z. B. auf Grafiken oder Video-Clips. Barrierefreiheit im WWW bedeutet, möglichst viele Alternativen zur Nutzung eines Informationsangebots zur Verfügung zu stellen.