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Ausgewählte Projektergebnisse

1. Institutional ,Teaching' Entrepreneurs

Zentrales Ergebnis der qualitativen Studie in Deutschland ist die besondere Auszeichnung der ‚institutional entrepreneurs’ in der Lehre. Dies ist ein Label für Professor_innen, die an Hochschulen – zunächst losgelöst vom Rektorat – das Thema Lehre maßgeblich an ihrem Fachbereich und an ihrer Hochschule bottom-up gepusht haben.

Eine Gemeinsamkeit dieser innovativen Akteure ist eine Sozialisation außerhalb der Universität oder eine Fremdheitserfahrung, die ihnen einen anderen Blick auf die Lehre an den deutschen Hochschulen ermöglicht hat. Häufig waren diese Akteure vorher in einer hochrangigen Managementposition in der Wirtschaft tätig und sind aufgrund bewusster strategischer Lebensentscheidungen zurück an die Hochschule gegangen und/oder (meistens beides) haben nach ihrer Rückkehr eine große Fremdheitserfahrung erlebt und/oder reflektieren ihre eigene Lernerfahrung während ihres Studiums sehr kritisch, wie z.B. folgendes Zitat belegt:

„Ja ich glaube, vielleicht ist das eine eigene Leidensgeschichte ... und jeder dritte Handgriff, wo man dann hinlangen muss, stellt man fest, hat man noch nie was von gehört, kriegt man nie erzählt und das, was man erzählt kriegt, ist größtenteils Müll vom letzten Jahrhundert“ (Professor an einer dt. Uni).

 Diese Erfahrung wird aber im Modus des Entrepreneur-Handelns bearbeitet, d.h. einfach geändert, ohne groß auf Vorgaben ‚von oben’ zu warten. Damit Rektorate von solchen institutionellen Lehr-Unternehmern profitieren können, empfehlen wir eine triple-‘s‘-strategy:

Scouting, Supporting & Scaling


2. Internationale Vergleichsstudie

Im Rahmen der internationalen Vergleichsstudie wird der Frage nachgegangen, ob auf der Hochschulebene im Hochschulsystem von England, Deutschland und Hongkong unterschiedliche Formen der Governance ermöglicht werden.

In England existiert ein Quasi-Markt mit hohen Studiengebühren, der durch das National Student Survey (NSS) und demnächst durch den Teaching Excellence Framework (TEF) reguliert wird. Letzteres wird den dort gut abschneidenden Universitäten erlauben, eine höhere Studiengebühr als die bisher üblichen 9.000 £ zu erheben, wobei schon die bisherigen Studiengebühren bei den meisten Universitäten deutlich mehr als 50% des Gesamtetats ausmachen.

In Deutschland ist ein soft governmental Regime vorzufinden, da kein tertiärer Bildungsmarkt existiert sowie die Innovation in der Lehre über Projekte finanziert wird (hauptsächlich BMBF), sodass bottom-up Initiativen belohnt werden.

Hong Kong liegt genau zwischen beiden Ländern mit der Besonderheit, dass dort top-down die Anweisung durch die Politik vorgegeben wurde, über neue Lehrstile innovativere Studierende hervorzubringen.

Grafik Internationale Vergleichsstudie

Als Ergebnis des internationalen Ländervergleichs kann festgehalten werden, dass durch den Quasi-Markt der Wettbewerb in die Organisation getragen wird. Es zeigt sich, dass in England eher transaktionale Formen der Governance vorherrschen, während in Deutschland und in Hongkong eher transformationale Governance ermöglicht wird, die aber häufig auch in Mischform (mit transaktionalen Elementen) auftritt.


3. Governance-Formen an ausgezeichneten und ,nicht-ausgezeichneten' Hochschulen

Ausgezeichnete Hochschulen zeigen im Vergleich zu ‚nicht-ausgezeichneten‘ Hochschulen

  • höhere Wertschätzung ‚guter Lehre‘
  • bessere lehr-und lernfördernde Supportstrukturen
  • bessere finanzielle Ressourcen für Lehrfonds, um innovative Lehrkonzepte zu fördern,
  • ernstere Wahrnehmung von Lehrevaluationen als Reflexionstool.

Dies konnte anhand einer regressionsanalytischen Auswertung des Online-Surveys festgestellt werden. Auf der Organisationsebene unterscheiden sich also die ausgezeichneten von den nicht-ausgezeichneten Hochschulen.

OLS-Regression:
Einfluss von transaktionaler und transformationaler Governance
auf das Lehrengagement

ausgezeichnet ,nicht-
ausgezeichnet'
Standardisiertes Beta
transformational
  Wertschätzung ,guter Lehre' Rektorat .016 .080
  Wertschätzung ,guter Lehre' Dekanat -.025 -.010
  Sichtbarkeit ,guter Lehre' - Tag der Lehre
  (1=ja/0=nein/ich weiß nicht)
-.019 -.002
  Sichtbarkeit ,guter Lehre' - Print- und Onlinemedien
  (1=ja/0=nein/weiß nicht)
.166** -.077
transaktional
  Obligatorisches Neuberufenencoaching
  (1=ja/0=nein/weiß nicht)
.043 .197*
  Lehrfonds
  (1=ja/0=nein/weiß nicht)
-.194** .048
  Evaluationsergebnisse öffentlich
  (1=ja/0=nein/weiß nicht)
-.002 .122
  Dekan thematisiert Evaluationsergebnisse
  (1=ja/0=nein/weiß nicht)
-.097 .177
Lehrmotivation
  intrinsisch .009 .142
  identifiziert .320** .248**
  introjiziert -.009 .182*
  extrinsisch -.133+ -.285**
Kontrollvariablen
  Hard Sciences
  (1=ja/0=nein/weiß nicht)
-.123 -.203*
  Geschlecht
  (1=m/0=w)
-.141+ -.146+
  Lehraktive Kolleg_innen
  (1=mind. 3, 0=weniger als 3
.203** .067
  Teilnahme didakt. WB
  (1=ja/0=nein)
.162+ .005
  Teilnahme didakt. Coaching
  (1=ja/0=nein)
.067 -.013
  Dauer der Anstellung
  (in Jahren)
-.128+ -.146+
  Hochschultyp
  (1=Uni/0=FH)
-.006 -.096
n 149 137
adj. R2 .332 .332
**sig. 0.01, *sig. 0.05, +sig. 0.10


Die eigentlich interessierende Frage ist jedoch, ob diese Struktur- bzw. Kulturunterschiede auch effektiven Einfluss auf die individuelle Leistungserstellung der Professorinnen und Professoren haben. Für die preisgekrönten Hochschulen lässt sich konkludieren, dass weder die Kovariablen zur transformationalen Governance noch die zur transaktionalen Governance einen Einfluss zeigen; die einzige Ausnahme sind die (jedoch negativ damit korrelierten) Lehrfonds. Bei den individuellen Kovariablen ist ein starker Einflussfaktor die „identifizierte [Lehr-] Motivation“ (Ryan / Deci 2000).

Eine durch Selbstbestimmungstheorie der Motivation informierte Interpretation hierzu könnte sein, dass die allgemein hohe Wertschätzung für Lehre an diesen Hochschulen bereits in das Selbstbild der Befragten integriert und internalisiert wurde. Ansonsten erwirkt bei den ‚nicht-ausgezeichneten‘ Hochschulen lediglich ein verpflichtendes Neuberufenen-Coaching einen positiven Effekt auf das Lehrengagement. Auf der individuellen Ebene ist neben der identifizierten Motivation auch noch die extrinsische Motivation signifikant; allerdings mit negativem Vorzeichen.

Zusätzlich wurde in beiden Modellen noch das Geschlecht, die Fachrichtung und Dauer der Anstellung kontrolliert: Während die Fachrichtung in beiden Modellen nicht signifikant ist, engagieren sich Professorinnen eher in der Lehre und die Dauer der Anstellung übt einen signifikant negativen Effekt auf das Engagement aus.